Der hat ’ne Scheibe!

Eigentlich sogar zwei.
Der Grünauer Stadtteil in Leipzig ist ja für so manches bekannt, auch die Bevölkerungsstruktur hat so ihre Eigendynamik. Da gehört es fast schon zum guten Ton, dass Fensterscheiben demoliert werden – einfach so, aus Langeweile. Andernorts wird dann gleich noch eingebrochen.
Davon blieb mein Büro dieses Mal immerhin verschont. (Die Bild berichtete.)

Die Innenscheibe war ruckzuck gewechselt, die äußere musste gebrannt, gehärtet – also manuell hergestellt werden. Heute, nach gut zwei Wochen ist der Urzustand wieder hergestellt.


Die Glaserei Zwicker hat ganze Arbeit geleistet; 3 Monteure waren in 5 Komma Sekunden fertig!
Danke – und weiter so.
Die Nürnberger wirds richten, hoffentlich.

(c)casus.2013

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Cricket bis zum Umfallen*

In meiner Wohnung gibt es einen Verräter; meine Visitenkarte.
Darauf steht eine Telefonnummer und dass ich 24 Stunden am Tag erreichbar bin. Wenn das nicht reicht, auch die Nacht noch.
Sei es wie es sei, es ist gut so und Neil Hobbs hat davon profitiert. Wir haben am Wochenende sprechen könnnen.


Neil Hobbs, Ehrenvorsitzender des South Wales Cricket Association, erläutert in einem Interview (hier ein kurzer Auszug vor dem BBC-Mikrofon), was da auf dem Court des Swansea Club passiert war.
Alcwyn Jenkins, 72, leitete ein Ligaspiel zwischen Swansea und Llangennech auf dem St. Helens Court in Swansea. Nach einer unübersichtlichen Spielsituation pickt einer der heimischen Feldspieler den Ball im Outfield und wirft ihn zu seinem Schlagmann zurück. Ob er dabei abgelenkt wurde oder einfach nur ausrutschte, der 156 Gramm schwere Cricketball jedenfalls verfehlte sein Ziel und traf Schiedsrichter Jenkins an der Schläfe. Der in der Liga äußerst beliebte Referee hatte keine Chance, er war auf der Stelle tot. Cricket bis zum Umfallen.
Mit der Witwe, die am Samstag das Spiel ausnahmsweise mal nicht live verfolgte, haben wir inzwischen vereinbart, die Asche ihres Mannes auf dem Cricketfeld zu verstreuen.
Gut, dass Wales keine deutsche Provinz ist.

(c)casus.2013
*nach einer wahren Begebenheit am 4. Juli 2009

Wer bestattet zum Tode Verurteilte?

Heute habe ich Paul* abholen müssen.
Paul hat mehr als 20 Jahre gegen das Geschwür in seinem Körper gekämpft. Fast schien es geschafft.
Long John Gold, der ebenfalls leicht betagte Hauskater, wusste es bereits vorgestern. Er hielt sich in sicherem Abstand. Jetzt hat er nur noch miauzt.
Paul hatte ein bewegtes Leben, mit fast allen Höhen und Tiefen, er ließ nichts aus.
Vor drei Dutzend Jahren rettete ihm ein in letzter Minute aufgetauchter Zeuge das Leben. Paul war von einer Streife aufgegriffen worden, weil kein Mensch außer ihm weit und breit zu sehen, der fremde Mann am Straßenrand blutüberströmt war und der Körper noch immer Normaltemperatur aufwies. Die Streife zögerte keinen Moment, Paul musste der Täter sein. Die Staatsanwältin schloß sich dankend an und der Richter wollte pünktlich zum Lunch.

Heute nun wurde das Urteil vollstreckt, spät, sehr spät. Und nicht durch Menschenhand.

Als wir ihn die engen Stufen hinab trugen, ging mir eine Frage nicht aus dem Kopf: Wer bestattet zum Tode Verurteilte?
Sicher, in Deutschland ist dieser Job nicht zu vergeben. Eine Antwort wäre trotzdem nicht übel!
Ganz anders die Amis. Dort ist die Antwort existenziell.
Wo hingehenkert wird, wird auch hergerichtet – die Henkersmahlzeit.
Die heißt nicht so, weil der Henkersknecht noch schnell einen Burger verdrückt bevor er das Beil schwingt, die Spritze setzt oder den Schalter am Stuhl umlegt. Die Henkersmahlzeit ist das Wunschgericht des Deliquienten, das letzte allerdings.

Zu nicht unerheblichem Ruhm kam dereinst der Koch am Huntsville Unit, dem Staatsgefängnis von Huntsville, den ältesten, staatlich subventionierten schwedischen Gardinen von Texas. Weil den meisten Anspruchsberechtigten nichts besseres als das eingängige Hamburger einfiel, servierte der Küchenchef Brian Price gern Soßen, Beilagen, Nachtisch und einen Absacker.
Das sprach sich rum, die Ansprüche stiegen, die Speisekarte verdiente so langsam ihren Namen und Brian wuchs über sich hinaus. Manch einer der langjährig Einsitzenden konnte es kaum erwarten, die tägliche Wassersuppe gegen ein zartes Entrecôte einzutauschen.

Price machte später aus der Tugend ein Geschäft und brachte die Rezepte in Buchform erst in die gefängniseigene Bibliothek und dann auf den internationalen Buchmarkt.

Meine Frage fand ich nicht beantwortet, aber immerhin gabs ein saftiges Rindersteak zum Abend.
Es spricht alles dafür, dass es nicht das letzte war.
Wer hats geschrieben? Brian Price, der Chefkoch von Huntsville Unit.
R.i.p., Paul.

(c)casus.2013
*Name geändert.

Kultur im Leipziger Osten_Februar 2013

Nach umfangreicher und aufwändiger Bauarbeit, nach nicht enden wollenden Tests unserer Audio- und Videoanlage und nach dem Absterben ohnhin überflüssiger schwacher Nerven – steht sie endlich:
Unsere neue Trauerhalle!
Und mit ihr das gesamte Gebäude auf einem geschmackvoll hergerichteten Außengelände mit viel Platz für bewährte und bahnbrechende Ideen in der Trauer- und Tellerrand-übergreifenden Kultur.

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Zu unserem neuen Bestattungshaus im Leipziger Osten wird an dieser Stelle noch einiges zu sagen sein, denn es ist nicht nur UNSER Haus, unsere Arbeitsstätte – es ist auch IHR Haus. Die Türen stehen weit offen; für Trauer und Event, für Information und Diskussion… Wir freuen uns auf Ihren Besuch, Ihre Meinungen und vielleicht auch Ihre Mitarbeit.

Bedanken werden wir uns mit der bewährt zuverlässigen Trauerarbeit.
Das sind Sie von uns gewohnt.
Darüberhinaus bieten wir regelmäßige Veranstaltungen, tabulos, alle Themen berührend…
Wir haben uns zunächst auf den jeweils ersten Sonnabend im Monat festgelegt. Pünktlich 15 Uhr beginnen Informationsveranstaltungen, Lesungen, Diskussionsrunden, Vernissagen, Konzerte… und und und.

Und wie es mit dem Vorhaben so ist, weichen wir gleich in den ersten beiden Monaten davon ab.
Wir beginnen am Sonnabend, den 23. Februar 2013 um 10 Uhr (bis ca. 11:30 Uhr) mit einem äußerst interessanten Thema – gerade auch vor dem Hintergrund der weltweiten Diskussion um Glauben, Glaubenskonflikte, Glaubenskriege:

Aus dem Zyklus “Bestattungen in anderen Kulturen“: „Die islamischen Bestattungsregeln praktisch erklärt“, wird Scheich Dr. Hassan Dabbagh von der Alrahman-Moschee Leipzig einen Vortrag und eine Filmvorführung halten. Und natürlich steht er Rede und Antwort – fragen Sie ihn, fragen Sie uns!
//alrahman-moschee.de

Wie die wahrscheinlich meisten Veranstaltungen müssen wir auch hier mit zahlreichen Interessenten und gutem Besuch rechnen. Es ist deshalb immer empfehlenswert, sich rechtzeitig anzumelden.
Persönlich im Haus, telefonisch 0341 244 144 oder per e-mail unter kultur@hoens.ch. Wir reservieren Ihnen die Plätze dann jeweils bis 20 Minuten vor Beginn der Veranstaltung.

Wo: Bestattungshaus Hoensch, Waldbaurstr. 2a, 04347 Leipzig
Parkplätze sind ausreichend vorhanden.
Am 23. Februar 2013 ist der Eintritt frei!

Wer ist Scheich Dr. Hassan Dabbagh?
Wir sind sicher, gleich zu Beginn unserer Veranstaltungsreihe ein ganz heißes Eisen angefasst zu haben. Es ist eine Chance. Wir haben nur diese eine Welt.
Informieren Sie sich vorab und überzeugen Sie sich vor Ort.


Quelle: (c)youtube
(c)casus.web.admin.2013