Die Pressewerbung 2013/04

Die aktuelle Pressewerbung Monat April 2013.
Zu finden in den einschlägigen Zeitungen und Zeitschriften.

2013-04 Werbung

2013-04 Werbung

Medienpartner bitte die Meta-Daten und das bevorzugte Format anfordern.
(c)casus.web.admin.2013

Advertisements

Das Sterbewerk*_Episode #004 Teil 2

“Aus dem Leben eines Taugewas –
Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö”

Das „Herkommen“ hörte sich barsch an und war wohl auch so gemeint. In Uniform macht ein resoluter Auftritt immer mehr her als ein Weichei im Turndress. Mirko und Gordon überhörten den kommandoschwangeren Grundton, reine Gewöhnungssache.
Die Anhörung war kurz; Name, Adresse, Zweck ihres Besuches … sie können gehen.
Keine Frage zum Sachverhalt, keine Wertung, keine Bewertung.

Mirko übernimmt das Steuer und legt die Verstorbene in die Kühlung im eigenen Bestattungshaus.
Seit nicht bei jeder Abholung das Krematorium angefahren werden muss, haben sich die Umlaufzeiten entscheidend verkürzt. Ein Segen.

Zwei Wochen später.

Oma Schuster hat ihre letzte Ruhe gefunden und ganz wie zu Beginn des Lebens hüllt sie sich in ein weißes Kleidchen. Nur etwas kälter dürfte es dieses mal sein. Leipzig ist geschlossen schneebedeckt.
Weder von der Polizei noch der Staatsanwaltschaft haben wir bisher etwas gehört. Kann aber noch kommen, zwei Wochen sind ein Wimpernschlag im Beamtenleben. Wenn der Sohn seine blinde Mutter gut pflegt und künftig besser auf sie aufpasst auf eisglatten Straßen, dann sollte sie sich auch erholt haben. Wir geben die Hoffnung nicht auf.
Haltende Autos sind stumpfe Waffen im Straßenverkehr. Ein Laternenpfahl ist robuster.

Der Alltag hat längst neue Probleme angehäuft und wir vergessen den unliebsamen Vorfall. Vorerst jedenfalls.
Abschließend lassen wir unsere Chefin einen netten Brief schreiben.
Ob sich damit alles erledigt hat?

„Lieber Herr …

Wir bedauern den jüngsten Zwischenfall, bei dem sich ihre Mutti verletzt hat und wünschen ihr baldige und schmerzfreie Genesung.
Wir bitten jedoch auch um ihr Verständnis, dass ein Einsatzfahrzeug, hier ein Bestattungsfahrzeug im Dienst, im Aufstellbereich eines Krankenhauses halten muss. Diesen zeitlich nicht zu kalkulierenden Aufenthalt sind wir stets bemüht, auf ein Minimum zu beschränken. Im Sinne der Anwohner und aller Betroffenen.
Als kleine Aufmerksamkeit laden wir Sie und ihre Mutti in eine unserer nächsten Konzertveranstaltungen in die Waldbaurstraße ein. Selbstverständlich holen wir Sie zu Hause ab und bringen Sie wieder zurück. Wir würden uns freuen, wenn Sie diese Einladung annehmen und natürlich sind Sie unser Gast.
Besten Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichem Gruß
Die Mitarbeiter …“

(c)casus. 2013

Das Sterbewerk*_Episode #004 Teil 1

“Aus dem Leben eines Taugewas –
Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö”

Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse – aber nur, wenn es in den nächsten Monaten Autoren und Schriftsteller gibt, die lesenswerte Literatur zu Papier bringen. Sicher kein einfaches Unterfangen. Der Startschuss jedenfalls ist erfolgt, die Köpfe rauchen und die Finger jucken. Doch, kaum glaubt man es, die unmöglichsten Tatsachenstories schreibt das Leben selbst. Einfach nur hinsehen.

Tags sind die Menschen im Supermarkt oder zum Kaffeekränzchen, nachts sterben sie.
Sie nehmen keine Rücksicht auf Angehörige, Ärzte und Behörden. Auf Bestatter schon gar nicht, die kennt sowieso niemand.
Trotzdem kommt eine kleine Maschinerie in Gang, wenn ein Mensch lange Zeit gelebt hat.
Gordon hat Bereitschaft. Dazu gehört zu Hause oder in der Nähe bleiben; Telefon immer im Auge behalten, Akkus geladen, keine laute Musik hören, keinen Alkohol trinken, die Kumpels allein zum Fußball gehen lassen, Dienstkleidung geschniegelt und gebügelt bereithalten … also alles, was ein ’normaler‘ Mensch überhaupt nicht beachtet. Das ist Bereitschaft.
Gordon hat Bereitschaft.

Eine leicht rötliche Abenddämmerung zieht über den Horizont in die Stadt. Im aktuellen Tatort geht es einem Bestatter an den Kragen. Gott sei Dank eine Wiederholung; der Mann ist unschuldig. Gordon kennt die Folge. Sie lief vor 6 Jahren in der AhErrDeh.
Noch bevor er zum nächsten Kanal zappen kann, klingelt doch, fast wie auf Zuruf, das Diensthändi. „Wir müssen los, Abholung“ tönt Mirko am anderen Ende. Auch die Feuerwehr hat ähnliche Stichworte, Diskussion zwecklos.
Keine 10 Minuten später treffen sich beide auf dem Parkplatz vor Gordons Haus und durch enge, nur Insidern bekannte Gassen düsen sie zum aktuellen Tatort. Der ist keine Jahre alt. Oma Schuster dagegen hat einige Dutzend auf dem Buckel. Offenbar genug.
Die diensthabende Schwester im Hospiz empfängt uns freundlich wie immer. Man merkt ihr nie an, ob die Schicksale ihrer Bewohner sie mitnehmen oder ob es tatsächlich ein Job wie jeder andere ist. Das Sterben ist ihr Alltag und ihre Allnacht.

Während wir uns auf leisen Sohlen zum Zimmer von Oma Schuster pirschen – die anderen Bewohner im Haus sind zum Teil noch wach und sollen die beiden Bestatter eher nicht bemerken – hat Schwester Jana die Papiere bereit gelegt. Vorbildlich, alles dabei, Ausweise, Arztbulletin … nichts bleibt zurück. Auch die Handgriffe im Oma Schusters Zimmer sitzen, wir sind ein eingespieltes Team und bereits nach 6 Minuten wieder auf dem Weg zum Fahrstuhl. Wir wollen so schnell wie möglich in die Zentrale zurück. Das Wetter geht uns aufs Gemüt, es sind gute Zeiten für den Gevatter mit der Sense.

Der Fahrstuhl kommt nicht.
Schwester Jana zuckt auch nur mit den Schultern und nimmt die Treppe, um zu sehen, was los ist.
Noch auf den Stufen kann sie das Gedränge im Eingangsbereich sehen, besser, sie hört es. Der Krach tönt bis unters Dach, wo wir wahrscheinlich noch länger umsonst warten werden. Oma Schuster hatte eine der begehrten Dachgeschosswohnungen. Man kann von da aus die Stadt überblicken und den Rettungshubschrauber starten und landen sehen.
Im Erdgeschoss also ist der reinste Tumult. Bewohner und Neugierige von der Straße drängen um einen jungen Mann, der eine ältere Frau untergehakt hat und nach einem Arzt ruft.
Als Jana näher kommt, bemerkt sie, dass die Frau eine dunkle Brille trägt und einen weißen Stock mit der rechten Hand fuchtelt. Beides ein gesichertes Anzeichen für fortgeschrittene Sehschwäche, wenn nicht gar eingetretenen Sehverlust.
Die Brille scheint zerbrochen, zumindest sitzt sie erheblich schief, das Gesicht ist blutverschmiert.
Der junge Begleiter gestikuliert ebenfalls wie wild, allerdings ohne Stock. Es ist zunächst nicht klar, ob er mit dem Zustand der Frau etwas zu tun hat oder ihr nur helfen will. Seine Gestik lässt beide Schlüsse zu.
Dr. Richter hat sich mittlerweile unter die bedrohlich anwachsende Meute gemischt, versucht sich Betätigungsfreiheit zu schaffen und weist einige der Leute an, endlich wieder dahin zu gehen, wo sie hergekommen sind. Er hat die Lage unter Kontrolle, kommt auch ohne Publikum aus. Die Menschen haben wohl ihre Zweifel daran, jedenfalls werden es immer mehr und der Fahrstuhl bekommt keine Chance, das längst gedrückte 5. Obergeschoss anzufahren.
Egal. Wir kämen da unten sowieso nicht raus. Im Gegenteil.

Nach weitern 10 Minuten ist die Frau verbunden, der Begleiter beruhigt, der Zufluss an Menschenmaterial gestoppt.
Wir wollen schon aufatmen, als unüberhörbar eine mit Blaulicht kombinierte Sirene an unsere empfindlichen Ohren dringt.
Das nächste Unheil, wir ahnen es.
Der blauweiß-lackierte Golf hält ebenfalls vor dem Haus, zwei Beamte verschaffen sich eine Gasse und bevor irgendjemand erfährt, warum jetzt auch noch die Polizei anrückt, haben sich die Uniformierten zum Arzt, der Verletzten und dem Gestikulierenden durchgeschlagen. Er hat sie gerufen. Über 110.

Das Schwesternzimmer wird kurzerhand zum Besprechungsraum, Aussagen werden aufgenommen und Zeugen gesucht.
Wir sind da außen vor.
Weil die Zimmertür vorsorglich geschlossen wurde, gibt es auch nichts mehr zu gaffen, die Leute verflüchtigen sich wie Alkohol beim Kochen, der Fahrstuhl bekommt Beinfreiheit und wir walten unseres Amtes.
Oma Schuster ist endlich gut gesichert im Gardinen-Benz verfrachtet, Mirko und Gordon wollen gerade einsteigen. Da bemerken Sie eine von frischem Schnee nur wenig überdeckte Blutspur am rechten Kotflügel. Quer über den Fußweg, hin zum Eingang ins Hospiz.
Noch ehe sie entscheiden, ob sie zurückgehen oder losfahren kommt einer der dunkelblau-gekleideten Beamten und winkt höflich aber bestimmt; nicht abfahren, herkommen!

Die notdürftig verarztete Frau hat ausgesagt, sie sei angefahren, auf dem eisglatten Fußweg dann ausgerutscht und mit dem Kopf gegen das Fahrzeug geschleudert worden. Der junge Mann an ihrer Seite habe sie begleitet, es ist ihr Sohn.
Jetzt sind wir nicht mehr außen vor.

Fortsetzung folgt …

Das Sterbewerk*_Episode #003

Es war einmal …

… ein fleißiger, rühriger und immer auf Achse unterwegs seiender undertaker.
Das Telefon steckte damals noch nicht in der Hosentasche, aber klingeln konnte es schon, auch nachts, vor allem nachts.
„Chef, wir müssen raus, in der Südvorstadt muss eine Frau Rüsselschwanz-Dickfinger abgeholt werden“. Bei einer Hausabholung lässt man die Angehörigen lieber nicht ewig warten; oft hatten sie schon zu Lebzeiten ihren Drasch mit den alternden, dementen und meist kranken Familienmitgliedern. Und auch nach dem Ableben von Oma oder Opa ist noch genug zu tun, denn nicht alles kann der Bestatter abnehmen. In stinkenden Wohnungen reicht das Lavendelspray nun mal nicht aus.
Die Südvorstadt ist erledigt, in der nächsten Nacht gehts ins Zentrum und weitere vierundzwanzig Stunden später kreuzte der Gardinen-bespannte Mercedes in der Mannheimer Ostgegend rum. Solch ein Rhythmus hinterlässt Spuren, eher tiefe Furchen – und er schlaucht. Spätestens wenn der Kundencognak die eigene Seele auf Vordermann bringen muss, ist die Zeit des Umdenkens angebrochen. Der undertaker wird zum underdog.
Anonym, besser pseudonym werden die Erlebnisse der Mannheimer Nachtausflüge den künftigen Unterhalt sichern. Sie müssen nur zu „Papier“ gebracht und so unter die Leute gestreut werden, dass einem die plastisch aufgebohrten und künstlerisch gestreckten „Wanderjahre“ als echt, wahr und „genau so“ abgenommen werden. Der Rest kommt von allein – vielleicht.

Peter Wilhelm vorm Alten Rathaus

Peter Wilhelm vorm Alten Rathaus

Einige Lichtjahre, mehre Bücher, Rundfunk- und TV-Auftritte später kommt eine Anfrage aus Leipzig. Wieder mal aus Leipzig. Und mal nicht vom mdr, dem Mitteldeutschen Rundfunk. Nein, ein kleines, familiengeführtes Bestattungsunternehmen hat sich in den Kopf gesetzt, Deutschlands wohl bekanntesten schriftstellernden Ex-Bestatter in seiner neuen Trauerhalle lesen zu lassen. Lesen und talken, schwätzeln und Fragen beantworten; es wird sich schon ergeben, was am besten geht. Immerhin ist das Haus voll und die zusätzlich gestellten Stuhlreihen sind das Alibi für einzelne unbesetzte Plätze.
Der publizierende Ex-Bestatter hat sie alle noch drauf, die Geschichten die seinerzeit den Nachtschlaf geraubt haben. Und er bringt sie souverän, ehrlich und trotzdem locker-flockig rüber. Obwohl Oma Gretel den Stoffel nie kennengelernt hat, die Leute lachen sich scheckig, Beifall alllenthalben.
Wer will da schon die komma-genaue Wahrheit der spannend-aufgebohrten Wirklichkeit gegenüberstellen? Eddie Clontz hat es damals auf den Punkt gebracht gehabt, wozu eine gute Story durch Recherche kaputtmachen? Eben.
Nach fast drei Stunden setzt der Bass wie abgesprochen punktgenau zur Geschichte ein und irgendwie ist damit doch tatsächlich der Höhepunkt erreicht. Ein phantastischer Schlusspunkt, der förmlich Zugaben ausschließt. Wenn es am schönsten ist …

Auch 2014 gibt es in Leipzig eine Buchmesse.
Auch 2014 erscheinen lesenswerte Bücher und
auch 2014 werden wir hoffentlich Peter Wilhelm in Leipzig begrüßen könnnen.

Das Interview: [podcast, 7:59min]

Setup und line up::
Peter Wilhelm – vorlesender Publizist und Schriftstelller
Richard Mauersberger – Klavierbegleitung
Ayako Tanaka und Tomohiro Yoshioka – Klavier und Bass (Orchester der MuKo)
Interview: Peter Wilhelm und casus
(c)casus. 2013 (aus le-blog.de)

Kommentare im Bestatterblog hier und hier und hier.