KULTur im LeipzIGER OSTEN_Februar 2014

Endstation Leichenkeller

Ein Mann jagt eine Frau durch die Nacht.
Sie ist nackt und irrt orientierungslos durch ein Waldstück.
Er folgt ihr, von Kopf bis Fuß in Latex gekleidet und beobachtet sie dabei mit seinem Nachtsichtgerät.
Er ist auf der Jagd nach Trophäen, Armbänder aus Menschenhaut, Gesichtsmasken aus getrockneter Haut, eine Weste aus der Haut eines weiblichen Rumpfes…
Als der Mann die Lust an der Jagd verliert, tötet er sein Opfer, entnimmt dem Körper die gesuchten „Trophäen“ und arrangiert die Leiche nach seinen Vorstellungen.
Dann fährt er davon.
Bis ihn schon bald erneut das Jagdfieber packt…

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Claudia Puhlfürst liest aus ihren aktuellen Romanen und diskutiert mit Ihnen – wenn Ihnen danach zumute ist! Mit dabei ist Dr. med. Carsten Hädrich, Oberarzt an der Rechtsmedizin des Uniklinikums Leipig.

Man muss nicht jedes gute Buch lesen – man kann es sich auch vorlesen lassen.

Termin:
Am 8. Februar 2014 ab 15:00 Uhr.
In der Eventhalle des Bestattungshauses Hoensch.
Waldbaurstr. 2 A in Leipzig
(hinter dem Parkplatz vom Netto-Einkaufszentrum).

Wir bitten um einen Unkostenbeitrag von 8 bzw. 5 Euro.
Aufgrund der zu erwartenden großen Resonanz empfehlen wir rechtzeitige Voranmeldung unter Tel. Leipzig 244 144 oder per e-mail kultur@hoens.ch.

(c)Casus. 2014

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Genug klagen.

Genug klagen kann man eigentlich gar nicht. Über hohe Preise und niedrige Quoten, über reiche Deutsche und arme Zuziehende, über ausscherende Fußballer mit dem hammerharten Kick, über das Wetter und den ausbleibenden Winter. Kurzum über alles. Und nicht erst seit heute. Schon Anton Tschechov ließ Jakov Matveič* über ständige Verluste und ausbleibenden Gewinn klagen.

Heute früh um 5 – ehrlich, zu Nacht schlafender Zeit – ließen die Radiomacher von mdr Info** wieder mal einige Experten zu Wort kommen, die sich dann auch prompt darüber beschwerten, dass in unseren Landen Sozialbestattungen zunehmen, von der Anzahl und ebenfalls der gestiegenen Kosten her.
Diesen Trend können wir bestätigen, auch wenn uns zum Jammern darüber ein wenig die Zeit fehlt. Aber – siehe oben, ganz oben.

Nur im Freistaat Sachsen, unserem Einzugsgebiet, mussten die Sozialbehörden 2013 fast drei Millionen Euro für behördlich übernommene Bestattungen aufwänden. Ganz abgesehen davon, dass das unterm Strich Peanuts sind gegen die Milliarden-Überschüsse der gesetzlichen Krankenkassen, die um die Zahlung des Sterbegelds schon vor vielen Jahren entlastet wurden. Alles fließt, Geld auch. Im Gegensatz zum Wasser fließt Geld allerdings nach oben.

Doch das Problem ist vielschichtig. Es ist nicht nur die zunehmende Armut der unteren und mittleren Bevölkerungsschichten. Vermehrt werden neue Lebensprioritäten gesetzt. Nach mir die Sintflut, Straton von Sardis wird da gern zitiert. Lieber heute das neueste Smartphone als morgen eine beruhigende Baumwurzel. „Nach meinem Tode soll Deukalion meine Knochen überspülen!“***

Hier findet ein Wertewandel statt, der sicher nicht nur in Bezug auf „das Leben danach“ Auswirkungen hat. Auch die Teilhabe am aktuellen gesellschaftlichen Leben tritt hinter die neueste Folge der Lindenstraße zurück. Hitzelsberger und Schumacher tangieren vor Scharon und Mandela. Werteverschiebung oder gar Werteverlust?

Zurück zum Geschäft.
Auch wir haben teilweise viele Monate alte Forderungen an die Leipziger Sozialämter. Vertrösten und Trost spenden sind zwei unterschiedliche Dinge. Vertröstet werden die Gläubiger wohl noch lange in den kommenden Jahren. Ob sie dann aber weiterhin Trost spenden den Bedürftigen, das steht nicht fest. Aus rein wirtschaftlichen Gründen.

Wer sich heute die Gebeine von Deukalion oder den Ostseewellen umspülen lässt, nimmt seinen Nachkommen den Platz der Ruhe und Besinnung. Was heute verständlich, kann morgen möglicherweise nicht nachvollziehbar sein. Die grüne Wiese verwelkt, wenn sie nicht gepflegt wird.
Es kommt die Zeit!
©casus. 2014

* aus Rothschilds Geige von A. Tschechov
** Link (mdr Info)
*** aus dem Wörterbuch der Antike, ein Epigramm des Straton von Sardis