Wolfgang Glatzel (*1941 †2014)

Traueranzeige

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KULTur im LeipzIGER OSTEN am 8. September 2014

 08.09.2014 – Weltweite Lesung für Edward Snowden

Das internationale literaturfestival berlin (ilb) ruft alle Menschen, Institutionen, Schulen und Medien, denen Freiheit und Bürgerrechte wichtig sind, zur Teilnahme an einer weltweiten Lesung für Edward Snowden am 8. September 2014 auf. Vorgetragen werden Texte zum Thema Überwachung.

Als Gäste und Vortragende begrüßen wir den Leipziger Schriftsteller und Publizisten Volly Tanner, den Kabarettisten Meigl Hoffmann und die musikalische Begleitung übernimmt Roman Raschke.

PlakatEs ist nicht nur die Brisanz des Themas an sich, es sind die aktuell zahlreichen politischen und militärisch geprägten Brennpunkte, die immer mehr Menschen aufstehen und sagen lassen „Mit uns nicht!“.

Wir müssen feststellen, dass es nicht übertrieben ist, wenn gesagt wird, die Menschheit steht an einem Scheideweg ihrer Geschichte; wollen wir in eine friedliche Zukunft schauen oder nehmen wir es hin, dass Wenige gewaltsam die Macht ergreifen und die Geschicke der Menschheit nach Gutdünken lenken?

Sie haben damit unmittelbar nach den Wahlen zum Sächsischen Landtag erneut die Möglichkeit, aktiv in das weltgeschichtliche Geschehen einzugreifen und Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Allein in Deutschland wird gleichzeitig in nahezu allen größeren Städten und in bekannten und auch weniger bekannten Veranstaltungsorten durch Prominente und unbekannte Teilnehmer gelesen. Mit dabei sind u.a. Hans-Eckardt Wenzel, Jan Assmann, Juli Zeh und viele weitere; gelesen wird u.a. in Berlin, Hamburg, Köln, Münster, aber auch in Mönchengladbach, Wuppertal, FFM, Rostock und Steinfurt.

Sie sind herzlich willkommen, der Eintritt ist FREI.

Termin:
Am Montag, 8. September 2014 ab 20:00 Uhr.
Bestattungshauses Hoensch.
Waldbaurstr. 2a in Leipzig
(hinter dem Parkplatz vom Netto-Einkaufszentrum).

Casus. 2014

KULTur im LeipzIGER OSTEN_September 2014

Kreuzwege am Oderstrom.
Zwei Frauenschicksale in Breslau im Schatten des II. Weltkrieges.

Die Erlebnisse einer jungen Polin und einer gleichaltrigen Deutschen (mein Leben) stehen im Mittelpunkt der Erzählungen und der Lesung von und mit Ursula Waage.
Beide Mädchen hatten in der Festung Breslau am Bau einer provisorischen Rollbahn für Flugzeuge mitzuarbeiten. Kennengelernt haben sie sich nach über 60 Jahren anlässlich eines Interviews zu einer Dokumentation des ZDF mit dem Titel: Kinder der Flucht Teil III: „Breslau brennt“.

Unser Gast zur heutigen Lesung ist Ursula Waage. Geboren 1928 in Breslau. 1945 erlebte sie als sechzehnjährige Schülerin, 85 Tage in der Festung Breslau eingeschlossen, das Ende des II. Weltkrieges mit den Folgeerscheinungen Besetzung der Stadt durch sowjetische Streitkräfte und Ansiedlung polnischer Bürger. Bis zur Vertreibung im April 1947 arbeitete sie überwiegend als Bauhilfsarbeiterin und Haushaltshilfe in ihrer Heimatstadt, die nun Wroclaw heißt. Nach der Vertreibung nach Sachsen musste zunächst der Lebensunterhalt als Sprechstundengehilfin,Werkstatt- und Ladenhilfe sowie Bürokraft gesichert werden. Später wurde im Abendstudium an der Fachschule für Industrie-Ökonomik Plauen der Abschluss als Wirtschaftler erworben. Bis zum Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess im Jahre 1988 war sie in Leipzig auf ökonomischem Gebiet tätig. (lovelybooks.de)

Der Eintritt ist FREI.

Termin:
Am 6. September 2014 ab 15:00 Uhr.
Bestattungshauses Hoensch.
Waldbaurstr. 2a in Leipzig
(hinter dem Parkplatz vom Netto-Einkaufszentrum).

Foto: lovelybooks.de
Casus. 2014

Alles wird anders.

Alles wird anders.

Was stellen Sie sich denn unter einem Bestatter vor?
Eine Bestatterin?
Oder einen Oben geschlossenen, mit einem Schlips zugeknüpften Schwarzbefrackten?

Kann sein. Beides.
Kann auch nicht sein.
Kommt vielleicht auf die Gegend und die Gelegenheit an.

Unbestritten ist allerdings, dass sich in den wenigen Jahren, seit der Totengräber zum Bestatter zum modernen Dienstleister avanciert, sich eine Menge getan hat, die Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen ändern sich fast täglich, die Anforderungen steigen mit jedem Sterbefall.
Der Zeitraum ist überschaubar, als es ausreichte, mit einer Schaufel zwei Kubikmeter Erde umschichten zu können, ein Schriftstück unterschreiben zu lassen und die Friedhofsglocke in Gang zu bringen. Zur rechten Zeit wohlgemerkt. Danach war gemeinsame Leichenschmaus angesagt.
Von all dem konnte man leben, nicht besonders gut, aber man konnte.
Das war einmal.

Oder besser – das reicht nicht mehr.

Seit sich die Familie nicht mehr um „ihre“ Verstorbenen kümmert, seit die Kirche mit der Totenandacht manchmal überfordert und der letzte Totengräber verstorben ist, seit genau dieser Zeit bildet sich eine Berufsgruppe heraus, die eher einem Full-Service-Dienstleister entspricht.

In unserer Gesellschaft ist der Tod kein Phänomen und schon gar kein Tabu-Thema, wie gern behauptet wird. Gut gekühlte Bierflasche öffnen, in warmen Pantoffeln herumschlurfen, Glotze anstellen – und siehe da, in jedem zweiten Film wird gemordet, gelogen und betrogen und schlussendlich gestorben – jeder Game-Boy hat Killerspiele kostenlos im Programm, 3 Ebenen kann man gebührenfrei verfolgen, nachstellen und töten. Dann muss Kohle rübergereicht werden – in den Einheitsnachrichten sterben Tiere und Menschen im Tausenderpack. Also, nix mit Tabu.
Wenn aber die Sprache auf den eigenen Tod kommt – ja, dann. Dann sieht‘s eng aus.
Der eigene Tod oder der von nahen Verwandten und Freunden, den schiebt man schon gern vor sich her. Dafür gibt es später den, der schon immer die Stätte besorgte. Richtig – den Bestatter.

Dessen Metamorphose ist noch nicht abgeschlossen, noch lange nicht.
Berater, Ein- und Verkäufer, Lagerarbeiter, Bürofachkraft, Gesetzeskenner, Grafiker, Fotograf, Musikliebhaber, Computer- und Neue-Medien-Experte, Modefreak, Quasi-Schriftsteller, Sprecher und Redner, Vermittler, Buchhalter, Versicherungsmakler, Vorsorgedienstleister, Trauerbegleiter – gibt es eigentlich etwas, auf dem er oder sie nicht bewandert sein muss?

Es wird tatsächlich alles anders und hört „Beim-Leben-Davon“ nicht auf.
Wundern Sie sich also nicht, wenn der Ihnen gegenübersitzende All-Inclusive-Dienstleister auf Ihre Frage „Was sollen wir denn bloß für Musik zur Trauerfeier vom Opa spielen?“ antwortet: „Am besten, Lieder die er auf den Tod nicht leiden konnte.“
©Casus. 2014.